Reisebericht: Israel mit RSD-Reisen - Auf den Spuren Jesu Christi

Als wir den Prospekt von RSD von der Israel-Reise mit dem günstigen Preis gesehen hatten, haben wir sofort unsere Freunde angerufen und gefragt, ob sie Lust hätten mitzufahren. Das Programm umfasste nämlich die wesentlichen Highlights von Israel. So buchten wir dann bereits im Juni 2018 die Reise für den Mai 2019.

Was uns natürlich nicht gefiel, waren die beiden Unsicherheitsfaktoren, nämlich die fehlenden Flugzeiten und die fehlenden Hotelangaben. Es wurde zwar im Prospekt zugesichert, dass die Flüge mit einer renommierten Fluggesellschaft durchgeführt würden und die Hotels der Landeskategorie 3-4 Sterne zugerechnet würden.  Aber genaue Daten bekamen wir nicht.
3  Wochen vor dem Abflug erhielten wir unsere Reiseunterlagen mit den Flugzeiten. Die waren ziemlich ungünstig, wenn auch die Flüge mit Turkish Airlines durchgeführt wurden, die als eine der besten Fluggesellschaften gilt. Aber der Flug von Düsseldorf ging nicht nonstop nach Tel Aviv, sondern über Istanbul, wo erst einmal ein dreistündiger Aufenthalt in Kauf genommen werden musste. Das war beim Rückflug ähnlich, wobei noch hinzukam, dass der Abflug um 07:10 Uhr in Tel Aviv erfolgen sollte. Da man in Israel 3 Stunden vor Abflug am Flughafen sein soll, würde das bedeuten, dass man um 04:00 Uhr morgens dort sein müsste. Und da man uns in dem Schreiben lediglich mitgeteilt hatte, dass unser Hotel im Raum Galiläa läge, mussten wir also damit rechnen, nachts um 02:00 Uhr abgeholt zu werden.
Das war nicht gerade erfreulich und wir erkannten nun auch, dass wir von Tel Aviv überhaupt nichts sehen würden. Denn einerseits würden wir dort bei Dunkelheit ankommen und andererseits auch mitten in der Nacht wieder abfliegen.

Aus diesem Grunde schrieb ich eine Mail an Isram Israel, das war die Agentur in Tel Aviv, die die RSD-Reise vor Ort organisierte und als Ansprechpartner für alle Fragen genannt wurde. Ich wollte wissen, welches Hotel für uns vorgesehen war. Diese Mail kam postwendend zurück mit der Meldung des Postmasters, dass die Anfrage abgelehnt würde. Das war auch eine Woche später bei einer weiteren Mail der Fall, was mich nicht nur sehr irritierte, sondern auch beunruhigte.
So ließen wir denn alles auf uns zukommen.

Sonntag, 5.5.2019

Flug von Düsseldorf nach Tel Aviv

Der Abflug um 10: 35 Uhr  bedeutet für uns, dass wir um 06:00 Uhr morgens aufstehen müssen, denn man muss inzwischen mindestens 2 Stunden vor Abflug am Flughafen sein, weil die Warteschlangen an der Security ziemlich lang sind. Es ist diesig und kalt in Düsseldorf. Kurz vor halb neun sind wir im Flughafen und stellen uns in die lange Warteschlange vor den Schaltern 266-270 der Turkish Airlines. Wir bekommen glücklicherweise noch zwei Plätze nebeneinander in der Reihe 36 des Airbus 330 -200/300, der mit 281 Sitzplätzen voll besetzt ist. Um 10:50 Uhr ist "boarding completed", aber mehr als eine halbe Stunde stehen wir auf der Rollbahn und starten endlich kurz vor halb zwölf.
Erstaunlicherweise  gibt es nach einer Stunde Flugzeit ein recht ordentliches Frühstück mit richtigem Besteck und doppeltem Getränkeservice. Der Pilot geht schon früh vor der Landung in den Sinkflug über und um 14:13 Uhr landen wir. Hier in Istanbul ist es jetzt 15:13 Uhr. Aus den Worten des Piloten bei der Landung hören wir Erdoghans Machtanspruch heraus, wenn er die Durchsage macht: "Welcome to Istanbul Airport - the Meeting Point of the World". Der neu eröffnete Flughafen ist noch eine riesige Baustelle und soll einmal der größte Flughafen der Welt werden mit 150 Millionen Passagieren jährlich und sechs Start- und Landebahnen.

Wir spazieren durch das großzügig gestaltete Terminal, das mit seiner Auswahl von teuren Geschäften und riesigen Duty-Free-Abteilungen stark an Dubai erinnert.

 
Vielleicht ist der mehrstündige Aufenthalt im Flughafen auch Absicht von Turkish Airlines, damit die Leute hier fleißig einkaufen. Ein buntes Völkergemisch begegnet uns auf allen Gängen und eingekauft wird auch viel.


Nach einer Stunde haben wir müde Füße und spazieren zum Gate A, wo der Abflug nach Tel Aviv um 17:55 Uhr starten soll. Aber genau so wie in Düsseldorf verzögert sich alles und wir heben erst mit einer Stunde Verspätung um 18:55 Uhr ab.
Auch jetzt gibt es unterwegs einen schmackhaften Snack und dazu kostenlos eine kleine Flasche Rot- oder Weißwein aus der Türkei. Das hätten wir als Service nicht erwartet. Ein bisschen Pech haben die Fluggäste in den vorderen Reihen, denn der Service wird wegen Turbulenzen fast eine halbe Stunde unterbrochen. Um 20:34 landen wir in Tel Aviv.
Es dauert eine ganze Weile, bis wir durch die Passkontrolle sind  und unsere blaue Aufenthaltskarte mit dem Barcode bekommen haben, den wir am Ausgang wieder scannen müssen, um ans Gepäckband zu gelangen.

Aus politischen Gründen stempelt Israel nicht mehr die Pässe ab, sondern jeder erhält diese Karte, die er zusammen mit seinem Pass als Aufenthaltsgenehmigung bereit halten muss.
Unsere Koffer sind glücklicherweise alle da und es wartet am Ausgang auch jemand mit einem RSD-Schild, der die 44 Teilnehmer sammelt, die auf zwei Listen verzeichnet sind. Jetzt sehen wir auf der Teilnehmerliste auch, wohin es geht: zum Hotel King Solomon in Tiberias. Sofort schauen alle in ihr Handy und googeln die Entfernung nach Tiberias. Google gibt 108 Kilometer an und  eine Fahrzeit von einer Stunde und 38 Minuten. Jetzt können wir uns ausrechnen, dass wir voraussichtlich nicht vor halb zwölf in der Nacht dort eintreffen werden. Alle werden zum Bus Nr. 9 gebeten, der auf dem Parkplatz steht und müssen dort ihre Koffer selbst


Fahrtroute nach Tiberias

verstauen. Und tatsächlich wird es 22:00 Uhr, als wir endlich abfahren. Unsere Vermutung erweist sich als richtig, denn nach einer Fahrt auf der ziemlich leeren Autobahn durch die dunkle Nacht kommen wir tatsächlich genau um 23:30 Uhr im Hotel an. An der Rezeption werden wir darauf hingewiesen, dass wir möglichst nicht die Tür zum Balkon aufmachen sollten, weil es draußen viele Moskitos gäbe. Wir bekommen Zimmer 1211 in der 12. Etage, das geräumig, aber schon ziemlich abgewohnt ist.

Die zwei breiten Betten scheinen bequem zu sein und das kleine Bad ist auch in Ordnung. Ein bisschen verwundert uns die verwinkelte Anordnung des Kleiderschranks und des Bads. Auf dem kleinen runden Tisch steht unser Abendessen unter einer Plastikfolie verpackt. Wegen der späten Ankunft hat man uns zwei Teller fertig gemacht. Das ist eine nette Geste - aber als wir das Plastikbesteck daneben sehen, wissen wir, welcher Service uns hier erwartet.

Nachdem wir die Koffer ausgepackt haben, ist es 0:30 Uhr und wir spüren, dass wir mehr als 15 Stunden unterwegs waren. Die Dusche hinter dem Vorhang in der Badewanne spritzt nach allen Seiten, aber das nehmen wir jetzt gar nicht ernst, sondern sinken erst einmal todmüde ins Bett.

Die Einrichtung ist spartanisch, aber der große Kleiderschrank hat genügend Stauraum, dass wir unsere Sachen für die nächsten drei Übernachtungen hier unterbringen können.
Übrigens: Wenn Sie mehr über das Hotel wissen wollen, schauen Sie doch einmal meine Bewertung bei Holidaycheck und im Tripadvisor an, wo ich sehr ausführlich meine Erfahrungen geschildert habe.


Montag, 6.5.2019

Tiberias und Galiläa

Besonders gut geschlafen haben wir nicht und der Wecker klingelt um 6:00 Uhr. Um 6:40 Uhr sind wir unten im Restaurant beim Frühstück und sind erschlagen über den Massenbetrieb. Indische und japanische Gruppen sowie deutsche und andere kämpfen um Tassen und Untertassen (die es ab 6:45 Uhr nicht mehr gibt), sodass nur noch Pappbecher vorhanden sind. Die Kaffeemaschinen sind überfordert und an den Brotkorb in der Ecke kommt man wegen der Menschentraube kaum heran.
Bis auf Wurst gibt es auf dem Frühstücksbüffet ziemlich alles, sodass man über die Auswahl eigentlich gar nicht meckern kann. Aber alle Tische sind sehr eng gedeckt, stehen in langen Reihen und es ist eine reine Abfütterungsanlage. Die Servicekräfte räumen nicht ab, die Kaffeemaschine ist auch bald leer und das Nachfüllen läuft schleppend. In Ruhe kann man jedenfalls nicht frühstücken. Schade - das hatten wir uns besser vorgestellt.
Der Blick aus dem Restaurant auf den See Genezareth durch die großen Fensterscheiben wäre sehr schön, wenn die Fenster nicht so verdreckt wären. Offensichtlich sind sie lange nicht gereinigt worden.
Von unserem Balkon im 12. Stock ist der Blick besser:


Der See Genezareth vom 12. Stock des Hotels King Solomon

Als ich in den Bus steige, bin ich total erstaunt, dass auf vielen Sitzen schon Jacken liegen. Einige der Mitreisenden müssen das schon abends vorher gemacht haben, um sich die besten Plätze zu reservieren. Man merkt, dass viele erfahrene RSD-Reisende sind.
Der Bus fährt pünktlich um 8:30 Uhr ab nach Zefad im Norden Tiberias. Hier ist eine Karte mit den Orten, die wir im Laufe der Woche besuchen wollen:


Oft ist die Schreibweise der Orte unterschiedlich. Da trifft auch auf den Ort zu, wo wir heute hinfahren: Safed steht in unserer deutschen Karte, auf den israelischen oder palästinensischen Karten heißt er Zafed oder Zefad. Manchmal sogar Safet, Zfat, Tzfat oder Tsfat.
Wir machen einen Spaziergang durch die schmalen Altstadtgassen des orthodoxen Judenstädtchens. Hier haben sich nämlich viele strenggläubige Juden niedergelassen, um die Kabbala zu studieren. Das ist die mystische Geheimlehre der Juden, die die Thora genau erforschen will, um darin den Willen Gottes zu entdecken.


Strenggläubiger Jude in Safed an den Ruinen der Kreuzritterfestung

Von Juden mit orthodoxer Kleidung sehen wir nicht viel, aber dafür in der Altstadt viele Galerien mit geschmackvollen Skulpturen und künstlerisch schön gestalteten Handarbeiten. Eigentlich müsste man viel mehr Zeit zum Bummeln haben, denn es gibt viele Fotomotive und wunderschöne Geschäfte.  Immerhin reicht es für den Kauf einer kunstvoll gestickten Kippa, die ich für 12 Euro erwerbe.
Da eine jüdische Synagoge geschlossen ist, die unser Reiseführer Hussein für uns vorgesehen hat, besuchen wir eine andere. Die Männer müssen eine Kippa oder eine andere Kopfbedeckung tragen. Hussein erklärt uns einige der wesentlichen Besonderheiten der Synagoge und zeigt uns auch den Beschneidungsstuhl für die Babys.

Im Innern der Synagoge

Straße in der Altstadt
Um 10:45 Uhr geht es weiter Nach Nordwesten bei blauem Himmel und Temperaturen um die 30°C. Leider ist es etwas diesig bei der Fahrt durch die bergige Landschaft, die von dichtem Buschwerk mit Bäumen durchzogen ist. Um die Dörfer herum sind viele Felder und Obstplantagen angelegt.
Bei der Fahrt durch die Dörfer nahe der libanesischen Grenze fallen uns die blau-weißen Fahnen mit dem Davidstern auf, die auf den nahenden Nationalfeiertag am 9. Mai hinweisen. Viele Häuser sind beflaggt und viele Autos haben Fähnchen an den hinteren Scheiben. Der Feiertag am Donnerstag ist der 71 Jahrestag der Unabhängigkeit und man steuert auf ein langes Wochenende hin, da der nachfolgende Freitag für die Moslems ohnehin Feiertag ist und sich viele Juden einen Brückentag genommen haben.
Kurz vor 12 Uhr stehen wir an der Burgmauer von Akkon. Im Innern der gut restaurierten Burg der Templer und Kreuzritter sind schöne Höfe zwischen den dicken Mauern. Die alte Kreuzfahrerstadt befindet sich gut 8 m unter den heutigen Straßenniveau und war das Hauptquartier der Johanniter im 12. Jahrhundert.

Sehr beeindruckend ist das Refektorium mit den ungeheuer dicken Säulen im Innern:

Anschließend gehen wir durch den Templer-Tunnel bis zum Hafen. Dieser 350 m lange  Tunnel wurde als Fluchtweg für die Kreuzritter gebaut und teilweise in die Felsen gehauen.


Der Gang durch den unterirdischen Templer-Tunnel ist ganz interessant und der Tunnel ist gut restauriert.

Der viel gerühmte türkische Bazar ist vollgestopft von Krimskram und die Händler sind schläfrig.
Der Gang durch den Templer-Tunnel ist am Ende sehr schön wie in einem Museum gestaltet. Viele Hinweistafeln an den Seiten geben ausführliche Erklärungen zu der historischen Entwicklung von Akko ab. Hier ein Bild davon mit unserem Reiseleiter Hussein:

Dahinter entdecken wir im Übrigen in den Gewölben schön restaurierte Wandmalereien und eine Lasershow, die die Beerdigung eines Templers visualisiert:
Als wir am Hafen ankommen, sind wir etwas enttäuscht, denn es eröffnet sich gar kein attraktiver Blick von der Kaimauer aus. Allerdings ist auch der blaue Himmel verschwunden und von grauen Wolken bedeckt.

Statt des Mittagessens in einem Touri-Restaurant mit unserem Reisefüher Hussein spazieren wir noch ein wenig durch die Altstadt  und genehmigen uns einen frisch gepressten Orangensaft ( 20 Shekel = 5 €!) und einen Cappuccino [12 Shekel = 3 €).

Die Preise sind also ganz schön hoch Israel. Um 14:30 Uhr treffen wir uns wieder vor dem Touri-Restaurant und erfahren von unseren Mitreisenden, dass das Essen wohl nicht sehr toll gewesen ist und besonders auch nicht der Service.
Unsere Fahrt mit dem Bus geht weiter nach Haifa. Kurz vor 15:00 Uhr sind wir dort. Die Stadt macht einen moderneren Eindruck auf uns als Stadt am Meer mit einem funktionierenden Hafen. Hussein erzählt einiges über die Bewohner der drittgrößten Stadt Israels und wir fahren durch das deutsche Viertel und Carmel mit den vielen Restaurants zu den Baha´i Gärten. Hier der Eingang von unten:

In dem Mausoleum befinden sich die Überreste des Religionsstifters Ali Mohamed  - auch "Bab" genannt. Haifa und Akko sind die wichtigsten Zentren des Baha´ismus, einer Glaubenslehre, die die Propheten Moses, Mohamed, Jesus, Buddha und Zarathustra als von Gott gesendete Glaubensvermittler ansieht. Und der Gründer des Baha´ismus, Baha Ullah gehört nach ihrer Ansicht auch dazu. Er ist in Akko begraben.
Die Straße windet sich in dem schönen Wohnviertel engen Serpentinen nach oben. Dort ist der Eingang zu den Gärten, wo wir eine Personenkontrolle über uns ergehen lassen müssen. Von oben hat man einen schönen Blick über den Garten und den Hafen von Haifa. Leider ist die Sicht schlechter geworden, weil der blaue Himmel verschwunden ist und die Sonne sich hinter grauen Wolken versteckt.

Man müsste allerdings etwas mehr Zeit haben, um einen Spaziergang über die kunstvoll angelegten Terrassen und den blühenden Garten zu machen.

Zwischen den roten Geranienbeeten und Bougainvilleas sind nämlich auch viele blühende Bäume wie Jacarandas und andere exotische Blüten zu bewundern.
Wahrscheinlich wäre es auch interessant, einen weiteren Tag in Haifa zu verbringen, denn bei der Weiterfahrt sehen wir aus dem Bus viele Restaurants mit besonderem Flair und erkennen auch, dass Israel durchaus modernere Aspekte hat.

Allerdings bekommen wir hier auch die Nachteile der Großstadt zu spüren, denn wir stecken über eine halbe Stunde im Stau. Aber wir können uns diese Zeit verkürzen, denn wir haben glücklicherweise in dem Bus von Oasis-Tours WLAN, sodass wir die ersten Bilder per Mail und Whatsapp nach Hause schicken können.

Erst um 17:30 Uhr sind wir in Nazareth. Die Stadt gefällt uns gar nicht. Sie ist schmutzig, heruntergekommen und wird inzwischen zu zwei Dritteln von Arabern bewohnt. Hier der Durchgang zur Verkündigungskirche:

An der Verkündigungskirche ist viel Rummel. Hussein erklärt uns die Entstehungsgeschichte der Kirche. Vor der Krypta steht eine lange Warteschlange, denn alle wollen hineinschauen.

Die Felsgrotte ist im Innern schön gestaltet und zu einer kleinen Kapelle mit einem Altar umgebaut worden.

In die Josefskirche werden wir nicht mehr hineingelassen, weil sie um 18:00 Uhr geschlossen wird. Also marschieren wir zum Parkplatz auf einen Hinterhof, wo unser Bus wartet. Anschließend stehen wir wieder im Stau und Hussein verkürzt die Wartezeit ein wenig, indem er uns von den großen Spannungen zwischen Juden und Arabern hier in Nazareth berichtet. Inzwischen sind nämlich die Juden alle in den westlichen Stadtteil gezogen, der wesentlich sauberer und besser organisiert ist als der Osten. Die jüdischen und arabischen Schulen sind getrennt und per Abstimmung soll auch erreicht werden, dass der jüdische Stadtteil einen neuen Namen bekommt. Früher hieß er Nazareth-Illit, dann wurde er umbenannt in Ha Galil und soll später Nord-Tabor heißen. Hierhin sind vor allem viele sowjetische Juden gezogen, wie auch der sowjetische Einfluss allgemein sehr stark in Israel zugenommen hat.
Der Stau dauert fast bis ganz nach Tiberias  und Hussein erklärt uns das, indem er sagt, dass die Araber während des Ramadans bewusst nach 18:00 gemütlich und langsam nach Hause fahren, damit sie möglichst nicht vor halb acht dort ankommen - in der Hoffnung, dass die Frauen das Essen fertig haben und sie nach Sonnenuntergang schlemmen können.
So sind auch wir erst um 19:30 Uhr zurück in unserem Hotel in Tiberias und gehen sofort zum Abendessen, weil schon viele Geräusche aus dem Restaurant dringen. Nach dem morgendlichen Massenandrang befürchten wir das für den Abend wieder.
Die indischen Gruppen sind alle da und die Tische für unsere Gruppe sind noch leer. Das Büffet ist ganz ordentlich, denn an einem Büffet mitten im Raum werden die Vorspeisen angeboten, an einer Längswand die warmen Hauptspeisen und an einer anderen Stelle die Nachspeisen. Es gibt viele schmackhafte Salate, als Hauptgerichte4 Fisch, Hähnchen, Nudeln und Backwaren. Für jeden ist etwas dabei. Darüber kann man nicht meckern.  Wir bestellen eine Flasche Weißwein, die erstaunlich günstig für 65 Shekel (= 16,50 €) angeboten wird. Da der Wein nicht kühl genug ist, möchten wir einen Weinkühler dazu, was bei dem Kellner Unverständnis auslöst. Ich erkläre ihm auf Englisch, dass wir gern einen "Ice-Bucket" haben möchten, aber das versteht er nicht. Schließlich versteht aber der Oberkellner mein Anliegen und wir bekommen eine Plastikschüssel mit Eiswürfeln aus der Küche. Wir müssen lachen, aber der Wein wird kühler und schmeckt besser.
Nach dem Abendessen nehmen wir noch einen Drink an der Bar und sind enttäuscht, dass hier derselbe Wein fast doppelt so teuer ist. Abends versuche ich noch meine Mails zu beantworten, stelle aber fest, dass das WLAN nicht im Zimmer funktioniert, sondern man muss immer hinunter in die Lobby.

Dienstag, 7.5. 2019

In der Nacht habe ich schlecht geschlafen, weil der Baulärm aus der Riesenbaustelle unterhalb des Hotels immer heraufdringt.
Wir sind schon vor halb sieben beim Frühstück - und das ist gut so, denn es gibt noch Tassen und vor der Kaffeemaschine steht noch keine Schlange. Leider können die Inder nicht gut mit den Wählmöglichkeiten des Automaten umgehen und entsprechende Pfützen vor dem Büffet sind die Folge.

Kibbuz

Um 8:30 Uhr geht es los, weil Hussein einen Besuch in einem Kibbuz vereinbart hat. Es handelt sich um den Kibbuz Aschdot Ja'akov, der im Jordantal südlich des Sees Genezareth liegt. Unterwegs kommen wir an der offiziellen Taufstelle am Jordan vorbei, die von vielen Juden und Christen für die Taufe ihrer Kinder bevorzugt gewählt wird.
Wir sind erstaunt, wie schmal doch der Jordan ist und wie flach.


Viele Plantagen befinden sich im fruchtbaren Jordantal.

Der letzte noch im Kibbuz lebende und Deutsch sprechende Jude erklärt uns mit seinem erfrischend jüdischen Witz und in archaischer deutscher Sprache die Geschichte dieses Kibbuz, in dem noch 192 Personen wohnen und fast 300 Kinder aufgezogen werden.
 
Er erklärt die Bäume und Pflanzen, die Lebensweise im Kibbuz und die Schwächen der ursprünglichen sozialistischen Idee, die sich vor 19 Jahren in eine neue Art Kibbuz umstrukturierte. Inzwischen hatten sich nämlich marktwirtschaftliche und individualistische Forderungen durchgesetzt. Heute kann jeder für sein Geld arbeiten und für sich Eigentum erwerben.
Die Mitglieder des Kibbuz sind jetzt ganz normale Angestellte. Inzwischen siedeln sich viele Israelis wegen der hohen Lebensqualität auf dem Land im Kibbuz an. So sind es mit externen Arbeitern heute 420 Personen, die im Kibbuz wohnen. Zu der ursprünglich sozialistischen Idee haben sie aber keine Beziehung mehr.
Der Kibbuz verkauft Früchte von seinen Bananenplantagen, Mangos, Datteln und Avocados und bewässert alles mit dem Wasser des Sees Genezareth, dessen Wasserspiegel jährlich um 80 cm sinkt. Das ist ein großes Problem. Ein weiteres Problem liegt darin, dass eigentlich das Land damals für 25 Jahre von Palästina gepachtet wurde und eigentlich in diesem Jahr zurückgegeben werden müsste. Wie dieses Problem gelöst wird, ist noch noch nicht klar.
Von der Sauberkeit und Ordnung des Kibbuz sind wir sehr enttäuscht. Vieles erscheint uns schmutzig, vernachläsigt und heruntergekommen. Allerdings müssen wir auch angesichts der 34 Bunker, die in diesem Kibbuz vorhanden sind, die Situation der Bewohner hier nah an der jordanischen Grenze anerkennen, die seit dem Palästina-Krieg in steter Angst leben.

Jedenfalls fahren wir nach den anderthalb Stunden Besuch mit gemischten Gefühlen weiter und diskutieren viel über die noch verbliebenen 194 Kibbuzim und ihre Zukunft in Israel.
Kurz vor halb elf sind wir an der Anlegestelle am See Genezareth, wo wir mit einem der nachgebauten historischen Galiläa-Boote eine Rundfahrt machen.

Es ist ziemlich windig auf dem See und wir sind froh, eine Jacke mitgenommen zu haben. An den Seitenrändern sehen wir natürlich, wie stark die Verlandung des Sees ist, wenn der Wasserspiegel jedes Jahr um fast 80 cm sinkt.


Eine Stunde später geht es weiter zu den Golan Höhen. Zunächst einmal sind wir ziemlich erstaunt über die grünen Hügel, über die wir fahren.
Wir hatten uns die Golan-Höhen immer als sehr karg, zerklüftet und felsig vorgestellt. Stattdessen finden sich hier überall große Plantagen mit Apfelbäumen und Orangen und Felder, auf denen bereits der Weizen geerntet wird. Dazwischen sind Weinberge, Obstbäume und Gemüsegärten. Wir befinden uns im Westjordanland und deshalb sind hier überall auch illegale Siedlungen der Israelis. Die sind umzäunt, haben Videoanlagen an allen Ecken und eine militärische Besatzung, die den Siedlern und Bauern, die hier die Felder bewirtschaften, ihre Sicherheit gewährleisten.
Unterwegs entzünden sich viele politische Gespräche über die Golan-Höhen. Wir haben nur die Informationen, die wir in unseren  Medien über das Verhältnis von Syrien-Israel-Jordanien im Zusammenhang mit Amerika und Russland bzw. mit Assad, Trump, Erdoghan und Putin erhalten. Die Konflikte, die sich aus der Siedlungspolitik der Israelis mit
den Palästinensern oder Jordaniern ergeben, können wir gar nicht beurteilen, weil sie viel zu kompliziert sind. Wir müssen auch eingestehen, dass es völlig zwecklos ist, mit einem Israeli darüber zu diskutieren, weil die Sichtweisen völlig unterschiedlich und nicht zu vereinbaren sind. Wir halten schließlich bei Kfar Haruv am "Aussichtpunkt des Friedens", von dem aus man über den See Genezareth schauen kann. Hier lerne ich doch zum ersten Mal meinen Google-Übersetzer schätzen, denn wenn ich die Kamera auf die hebräischen Schriftzeichen richte, zeigt er mir als Übersetzung an: "Absolut verboten!". Glücklicherweise bezieht sich das nur auf das Picknick an diesem Ort. Es scheint zwar die Sonne und es ist auch schön warm, aber die Sicht über den See ist ziemlich diesig, sodass man das gegenüber liegende Ufer mit der Stadt Tiberias kaum sehen kann.

Wir fahren über die Golan-Höhen wieder zurück nach Kapernaum. Dort besichtigen wir die achteckige Kirche, die über dem Haus des Petrus gebaut wurde.
Die Kirche ist modern und ansprechend gestaltet.


Der Altar im Innern der Kirche wird für Pilgergottesdienste genutzt.
Nebenan wird gerade kräftig gegraben, weil höchst interessante Fundstücke aus byzantinischer Zeit gefunden wurden.


Blick von Kapernaum über den See Genezareth

Um 13:50 Uhr schleppt uns Hussein in ein Touri-Restaurant in der Gegend von Magdala, weil es dort den berühmten Petrus-Fisch gibt. Wir verzichten auf das 20-Euro-Angebot, weil das Restaurant ziemlich schmutzig ist und vollgestopft mit Reisegruppen aus verschiedenen Ländern. Wir bestellen stattdessen einen Cappuccino, der jedoch in einem Papp-Becher serviert wird. Die hygienischen Bedingungen in dem Restaurant sind unzureichend. Draußen ist es schlammig, weil hier der See Genezareth verlandet ist. Die Boote, die dort zu Wasser gelassen wurden, werden der Reihe nach von Traktoren weggeschleppt. Wir haben den Eindruck, dass hier deshalb keine Leute mehr hinkommen und der Restaurantbesitzer sich nur noch über Wasser hält, indem er einen Deal mit den Touristenbussen gemacht hat. Alles in allem nicht sehr erfreulich.
Um 15:30 Uhr geht es weiter nach Tabgha zum Berg der Seligpreisungen, wo eine Franziskanerkirche mit einem schön gestalteten Garten an der Stelle errichtet wurde, an der Jesus die Bergpredigt gehalten haben soll.

Die Besucher sind wohl nicht sehr andächtig, denn von Zeit zu Zeit kommt die Warnung einer Nonne durch den Lautsprecher, dass man doch leiser sein solle in der Kapelle. Wir spazieren durch den Garten, von dem man einen sehr schönen Blick auf den See Genezareth hat. Leider ist die Sicht trotz des wolkenlosen Himmels immer noch diesig.

Zum Abschluss unserer Rundfahrt an diesem Tag besuchen wir noch die Brotvermehrungskirche , die von den deutschen Benediktinern gepflegt wird.


Sie enthält viele alte Mosaiken, die zu den schönsten Mosaiken gehören, die in den  Ausgrabungen aus byzantinischer Zeit gefunden wurden. Die Ausgrabungen nebenan sind noch in vollem Gange  und es werden noch große Überraschungen aus byzantinischer Zeit erwartet.
Um 16:50 Uhr geht es zurück nach Tiberias und während der Rückfahrt  beschließen die Fahrgäste unseres Buses auf Hinweis von unserem Reiseleiter Hussein, eine Sammlung für die Servicekräfte des Hotels zu machen, weil wir ja morgen abreisen würden und dann die nächsten Übernachtungen in einem Hotel in Jerusalem verbringen würden.  So spenden wir 16 Euros Trinkgeld in das Sammelkuvert, obwohl wir nicht genau wissen, wie die Aufteilung erfolgen soll.

Zum abendlichen Büffet sollen wir erst um 20:00 Uhr gehen, weil eine 140-köpfige amerikanische Jugendgruppe da ist. Wir haben aber Hunger und sind bereits um 19:00 Uhr im Speiseraum. Der Ober hat noch einen Tisch in der Ecke frei und wir speisen gemütlich, aber mit hoher Lautstärke im Hintergrund.

Mittwoch, 8.5. 2019

Schon um halb sieben sitzen wir beim Frühstück. Die indischen Gruppen sind auch schon da und haben das Obstbüffet schon fast abgeräumt. Viele Gäste stopfen sich das nämlich in ihre Taschen oder Rucksäcke. Leider haben auch aus unserer Reisegruppe einige diese Unart.
Pünktlich um 8: 00 Uhr starten wir nach Süden in Richtung Jordan. Hier ein Kartenausschnitt, in den ich unsere bisherigen Fahrten blau eingezeichnet habe und die Strecke nach Bet She´an grün:

Die Landstraße 90 verläuft zum Teil parallel zum Jordan direkt an der Grenze entlang. Vom Bus aus sieht man, wie fruchtbar das Jordantal ist.

Um 9: 00 Uhr sind wir in dem Nationalpark.

Bet She´an

Die antike Stadt - der frühere Ort Skythopolis - ist eine der besten Ausgrabungsstätten aus vorchristlicher Zeit. Bereits 5000 v. Chr. sind in diesem Gebiet Siedlungen nachgewiesen worden, da es ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Ägypten und Mesopotamien war. Die Gegend ist fruchtbar und wasserreich, sodass sich hier immer wieder Städte bildeten. Durch die vielen Kriege wurden sie und die Tempel im Laufe der Jahrhunderte mehrmals zerstört, aber von den Siegern wurden über den alten Fundamenten neue Tempel errichtet.


Seit 1986 werden die Ausgrabungen intensiv betrieben und bis heute sind erst 10% der ehemaligen Stadtfläche freigelegt und restauriert worden.
In der hellenistischen Periode wurde hier eine Stadt gegründet, die Nysa-Skythopolis  genannt wurde. In den alten Schriften wird berichtet, dass  Dionysos, der Gott des Weines, hier seine Amme Nysa begrub.

Hier wurde das korinthische Kapitell gefunden, das den Kopf des Gottes Dionysos trägt.
Nachdem die Römer im Jahre 63 v. Chr. das Gebiet erobert hatten, wuchs die Stadt bis auf 40 000 Einwohner an und viele prunkvolle Gebäude wurden gebaut.

Das Theater fasste zu der damaligen Zeit 7000 Zuschauer.
Wir besichtigen die ausgedehnte Ausgrabungsanlage mit der Palladiusstraße in der Mitte, den Bädern und der öffentlichen Latrine mit den Mosaiken.

Die öffentliche Toilette, in deren Zentrum sich ein Innenhof mit kapitell-geschmückten Säulen befindet, war neben dem Badehaus errichtet worden, um den Besuchern des Bades und des nahegelegenen Theaters zur Verfügung zu stehen.. Die Anzeigetafel neben der Latrine erklärt die Funktion auf Hebräisch und Englisch:

Wir müssen lachen, als wir bei Google den lateinischen Begriff "Latrina" nachschlagen und als Übersetzung das Wort "Bequemlichkeit" finden.
Nach einer Stunde Besichtigung bei angenehmem Wetter geht es weiter über die Landstraße 90 nach Süden. Diese 480 km lange Straße bildet die Nord-Süd-Achse Israels und hat große strategische Bedeutung, weil sie an der Grenze zu Jordanien entlang führt.
Das merken wir auch vom Bus aus, wenn wir aus dem Fenster schauen und die Grenzzäune neben dem Jordan sehen: Überall stehen die gelben Schilder mit dem Hinweis auf Minen.
Auf besonderen Anzeigetafeln werden die Einwohner von Israel darauf hingewiesen, dass die Straße durch das Westjordanland führt und für Israelis gesperrt ist. Unser Bus hat ein israelischen Kennzeichen und wird wegen der darin befindlichen Touristen ohne Kontrolle durchgelassen. Unterwegs versucht uns Hussein zu erklären, was der Unterschied zwischen den einzelnen Zonen ist, die mit A,B und C bezeichnet werden .
1995 wurden das Westjordanland  und der Gaza Streifen in drei verschiedene Zonen eingeteilt. Der Unterschied besteht darin, dass in diesen Zonen die palästinensische Autonomiebehörde jeweils unterschiedliche Befugnisse hat.
Die A-Gebiete sind auf der nebenstehenden Karte rot eingezeichnet. Es sind vor allem die größeren Städte. Sie wurden unter die alleinige Kontrolle der palästinensischen Autonomiebehörde gestellt.
Die B-Gebiete sind ebenfalls rot eingezeichnet. Es sind nämlich hauptsächlich die ländlichen Gebiete um die großen Städte herum. Hier hat die palästinensische Autonomiebehörde zwar auch die Kontrolle, aber Israel hat die polizeiliche und militärische Kontrolle.
Die C-Gebiete sind die dünn besiedelten Landstriche. In der Karte sind sie grün markiert. Hier hat Israel sowohl die zivilrechtliche als auch die militärische Kontrolle. Das sind auch die Siedlungsgebiete, in denen die Israelis illegale Dörfer angelegt angelegt haben. Inzwischen leben dort mehr als 400 000 Israelis.
Die Autonomiegebiete im Westjordanland bestehen also aus mehreren durch das C-Gebiet voneinander getrennten Siedlungsgebieten. Eigentlich sollte das C-Gebiet im Laufe der Zeit immer mehr unter die Verwaltung der palästinensischen Autonomiebehörde gestellt werden, aber Israel verhindert das durch seine Siedlungspolitik.
Der Gaza-Streifen ist ein gesondertes Gebiet, das durch die Hamas kontrolliert wird, nachdem diese die Parlamentswahlen gewonnen und die Regierungsmehrheit erzielt hatten. Sie lehnen den Staat Israel völlig ab und ihr Ziel ist ein Staat Palästina mit der Hauptstadt Jerusalem und dem gesamten Gebiet vor 1948, also ohne Israel. Israel lehnt das kategorisch ab. Da aber alle Regierungen von unterschiedlichen Mächten auf der Welt unterstützt werden (Die Hamas vom Iran, Palästina von Saudi Arabien und Israel von den USA und der EU), wird es niemals Frieden geben im Nahen Osten.
Wir spüren jedenfalls auch irgendwie die Spannungen, wenn wir am Grenzzaun entlang fahren oder mehrmals am
Tag an Straßensperren oder illegalen Siedlungen der Israelis vorbei fahren, die mit Zaun, Schlagbäumen, Kameras und Militär bestückt sind.

Jericho

Das Land ist hügelig, karg und trocken. Unten am Jordan ist es grün und fruchtbar. Dazwischen befinden sich auch palästinensische Dörfer mit vielen Dattelpalmplantagen. 16 verschiedene Sorten gibt es in Israel.
Kurz nach 11 Uhr sind wir in Jericho und sind enttäusch über den schmutzigen und traurigen Ort. Die Häuser und Gärten sind vernachlässigt und voller Müll. Hussein erklärt uns, dass die Palästinenser den Müll nicht abtransportieren dürfen, weil das A-Gebiet eine geschlossene Zone bildet.

Hier machen wir eine Viertelstunde Pause, um den Berg der Versuchung zu fotografieren und einen frisch gepressten Orangensaft zu trinken.

Auf dem 348 m hohe Berg der Versuchung soll Jesus nach seiner Taufe im Jordan 40 Tage lang gefastet haben und vom Teufel versucht worden sein. Eine Seilbahn führt zu dem Restaurant Sultan, von dem man einen schönen Ausblick auf das umgebende Tal hat.

Von dort führt ein eingezäunter Weg zu dem Kloster von griechisch-orthodoxen Mönchen, das ganz eng an den Berg gebaut wurde. Im Kloster selbst ist eine kleine Kapelle mit dem Stein, auf dem Jesus gesessen haben soll, als ihn der Teufel versuchte. Man kann das Kloster auch durch den Hinterausgang verlassen und zu dem Gipfel des Berges hochwandern. Von oben hat man einen fantastischen Blick über Jericho.
Leider kommt das für uns nicht in Frage, weil wir weiterfahren müssen.  Die Stadt Jericho ist von den Juden völlig verlassen worden; hier leben nur noch 60% Moslems und 40% Christen. Die Stadt steht unter der Verwaltung der palästinensischen Autonomiebehörde, die Umgebung wird aber vom israelischen Militär und von der israelischen Polizei kontrolliert.
Es ist ganz seltsam, als wir durch Jericho fahren. Alles ist friedlich, aber es ist wenig Verkehr und die Nebenstraßen sind ziemlich verlassen.  Die Palästinenser können von hier aus ins Ausland fahren, aber nicht nach Israel. Jeder, der das will, muss einen besonderen Passierschein haben. Irgendwie haben wir Mitleid mit den Palästinensern, die hier wohnen und verabscheuen die seltsame Politik der Israelis.
Jericho hat eine seltsame Geschichte hinter sich. Als die Engländer von 1923 das Mandat über Palästina hatten, schenkten sie Jericho den Arabern, die es später an die Juden verkauften. 1947 wurde Jericho Jordanien zugeteilt, aber im Sechstagekrieg 1967 eroberten die Israelis dieses Gebiet wieder. 1996 wurde es dann unter die Verwaltung der Palästinenser gestellt, wie es bis heute noch der Fall ist. Aber alles, was die Menschen dort haben, ist noch ein bisschen Tourismus an die biblischen Stellen. Ansonsten fristen sie ein kümmerliches Dasein.

Im Süden von Jericho stoßen wir  wieder auf einen Grenzübergang mit einem Wachtturm und Betonblöcken, weil wir jetzt in die Zone B fahren. Um an die Stelle am Jordan zu kommen, haben die Israelis eine schmale Straße gelegt, die links und rechts  von einem Drahtzaun begrenzt wird.


Einfahrt zur Stelle, wo Jesus von Johannes am Jordan getauft wurde

Die Stelle ist sowohl für Juden ein heiliger Ort wie auch für die Christen und Palästinenser auf der anderen Seite des Jordans. Während drüben in Jordanien nur ein Holzunterstand die Stelle markiert, hat Israel hier ein modernes Pilgerzentrum gebaut. Das ist natürlich ein Spektakel für viele Pilger und Touristen, die sich hier ein Taufkleid kaufen und sich damit in den schlammig gelben Jordan setzen.

Dazwischen stehen israelische Soldatinnen , die aufpassen, dass hier nichts passiert. Der Jordan ist nämlich hier die Grenze zu Jordanien, die in der Mitte des Flusses verläuft, der hier nur noch wie ein großer Bach durch das Schilf fließt.
Anschließend fahren wir weiter nach Qumran und sind nah am Toten Meer, dem tiefsten Punkt der Erde mit fast 400 m unter dem Meeresspiegel. Das ist eine beeindruckende Bergkulisse. Hussein erzählt uns die Entdeckungsgeschichte und wir sehen uns in dem kleinen Museum einen Film dazu an.
Hier fand 1947 ein Beduinenjunge in einer Höhle alte Schriftrollen, die heute als eine der bedeutendsten Entdeckungen in der Bibelforschung angesehen werden.
Inzwischen sind mehr als 900 in Leinen gewickelte Pergamentrollen gefunden worden, die in Tonkrügen in verschiedenen Höhlen versteckt waren.

Ich bin zu der Höhle hinaufgeklettert. Von oben hat man einen fantastischen Blick auf das Jordan-Tal und das Tote Meer.
Um 14:00 Uhr fahren wir weiter in Richtung Jerusalem. Unterwegs sehen wir die vielen Nomadendörfer, die es abgelehnt haben, ein Haus zu beziehen, das ihnen vom Staat Israel angeboten wurde.
Die Nomaden stehen auf dem Standpunkt, dass ihnen das Land seit Jahrtausenden gehört und Israel es ihnen weggenommen hat. Sie sind auf der Seite der Palästinenser und beharren auf ihrem Recht.
Es sind natürlich dazwischen auch viele illegale Siedlungen der Israelis dabei. Als wir in die Gegend von Bethlehem kommen, fällt uns das besonders auf. Dort finden wir sogar mehrstöckige Wohnhäuser, die mit illegalen Siedlern bewohnt sind:

Bethlehem

In Bethlehem selbst wohnen überhaupt keine Juden mehr, sondern nur noch Araber. Die Stadt untersteht der palästinensischen Autonomiebehörde und wir sind erschüttert über die Grenzposten zur Zone A und die hohe Mauer zwischen den Palästinensern und Israelis. Alles erinnert stark an die Berliner Mauer:

Es ist bedrückend, wenn man bei der Einfahrt nach Bethlehem die Grenzposten vor der Mauer sieht.
Hussein schleppt uns in einen Souvenirladen mit unendlich viel Kitsch. Wir erkennen an den religiösen Angeboten, welche Bedeutung Bethlehem für die Pilgergruppen und Touristen hat.
Wir sind allerdings ziemlich enttäuscht von dieser Stadt, die doch für überzeugte Christen einer der wichtigsten Wallfahrtsorte im Heiligen Land ist.
Unser Bus setzt uns im Busbahnhof ab  und wir wandern zu Fuß zur Geburtskirche. Touristen und Pilger aus allen Ländern gehen ebenfalls dorthin.
Den Eingang der Kirche bildet ein höhlenartiges und ganz niedriges Tor - das ""Tor der Demut". Das ursprüngliche Tor hat man zugemauert, denn die Spitzbögen über der Öffnung sind noch gut zu erkennen. Im Innern ist die Kirche überladen mit Leuchtern, Ikonen und goldenem Schmuck.

Wir müssen uns in die lange Schlange der Wartenden einreihen und mehr als eine Stunden warten, um über die schmale Treppe in die Krypta hinuntersteigen zu können. Während der langen Wartezeit macht man sich natürlich Gedanken, wann Jesus hier wirklich geboren wurde. Je nach Religionsanschauung sind das natürlich andere Tage: Die Christen gehen vom 25. Dezember im Jahre 5 v.Chr. aus, die orthodoxen Christen glauben, dass es der 6. Januar im Jahre 4 v.Chr. war und die Armenier meinen, dass es der 18. Januar im Jahr 4 v.Chr. war.
Nach der modernen Jesusforschung, die sich aus diesen widersprüchlichen Angaben entwickelte, muss man aber das Jahr 7 n.Chr. annehmen.

Unten hat man dann die Möglichkeit einen kurzen Blick auf die Stelle werfen zu können, wo Jesus geboren sein soll.
Viele ehrfürchtige Gläubige sind völlig von Sinnen, als sie auf der linken Seite hinter dem vergoldeten Gitter die Stelle erkennen, an der die Krippe gestanden haben soll. Auf der anderen Seite ist die Stelle , wo Maria das Jesuskind geboren haben soll, durch ein großes Loch im Boden mit einem Stern als Umrandung markiert worden. Man muss sich tief hinunterbücken, um das zu sehen. Viele küssen den Boden, atmen die Luft aus dem Loch, halten die Hand hinein oder sogar den Kopf. Andere halten persönliche Gegenstände hinein oder bestreichen mit ihnen den Boden um den Stern.
Für einige ältere Menschen ist das sehr beschwerlich, wieder aufstehen  und ich erlebe, wie die mitgepilgerten Familienangehörigen mit vereinten Kräften eine Großmutter  herausziehen müssen, die es allein nicht mehr schafft.
Durch die unterirdischen Grotten unterhalb der Geburtskirche gelangt man zur Katharinenkirche nebenan. Sie wird von den Franziskanern gepflegt und ist der heiligen Märtyrerin Katharina von Alexandien gewidmet. Die Franziskaner haben schon seit dem 12. Jahrhundert ein eigenes Kloster hier.
Als wir zum Busbahnhof zurückgehen, fallen mir auch jetzt an der Polizeidienststelle an der Ecke die Schilder auf, die den Machtanspruch der Palästinenser widerspiegeln. Auf ihnen ist nämlich überall der Name "Der Staat von Palästina" vermerkt. Genau das, was Israel nicht haben will, zeigen sie hier allen ausländischen Touristen . Die Texte auf den Schildern in Bethlehem sind auch nicht mehr wie üblich in den anderen Gebieten sowohl in hebräischer als auch in arabischer Schrift aufgedruckt, sondern nur noch arabisch.
Die Stadt versucht, sich mit dem Tourismus über Wasser zu halten, weil sonst nur noch wenig Erwerbsmöglichkeiten vorhanden sind. Es werden sogar Führungen von Einheimischen angeboten, die den Touristen das Leben in den hier wohnenden Familien aus eigener Erfahrung erklären und berichten, wie sich das Leben durch die
israelische Besetzung und den Bau der Mauer verändert hat.
Um 17:15 Uhr sitzen wir wieder im Bus und fahren jetzt zu unserem Hotel nach Jerusalem "Seven Arches", das in Jerusalem auf dem Ölberg liegt.

Jerusalem

Um 18:00 Uhr sind wir dort und bekommen Zimmer 632 in dem palastartigen Bau, der ursprünglich von der jordanischen Regierung gebaut worden war und später das Hotel Jerusalem Intercontinental wurde. Nach dem Sechstagekrieg 1967 verlor Jordanien das Besitztum und es wurde einer Depotbank übertragen. 1989  zog sich aber die Hotelkette aus dem Management zurück und das Hotel wurde in "Seven Arches" umbenannt. Heute wird es komplett von Palästinensern betrieben.


Hoteleingang Seven Arches

Zimmer 632

Das Restaurant des Hotels ist für Touristengruppen eingerichtet; alle sitzen an 6er-Tischen. Durch den Teppichboden und die Vorhänge ist es auch nicht so laut.


Frühstücksbüffet im Restaurant


Dusche im Zimmer 632

Der Service ist recht ordentlich, wenn man den Kellnern ein Trinkgeld gibt. Man hätte sogar einen schönen Blick nach draußen, wenn die Fenster nicht so dreckig wären. Wenn Sie mehr über das Hotel wissen wollen und das, was wir hier erlebt haben, sollten Sie meine Bewertungen bei Holidaycheck und beim Tripadvisor lesen.
Jedenfalls finde ich nach dem Abendessen noch Zeit, einige Nachtaufnahmen von der Altstadt von Jerusalem zu machen, denn die Aussicht vom Ölberg hier oben ist fantastisch. Direkt vor dem Hotel ist eine Aussichtsterrasse an der Straße, an der auch viele Busse halten, weil der Blick von hier auf die Stadt wunderschön ist.


Blick vom Ölberg am Abend auf die Altstadt von Jerusalem mit dem Felsendom

Blick vom Ölberg am Abend auf die Altstadt von Jerusalem mit Felsendom und Al Aqsa Moschee

In der Nacht hört man die Böller krachen und sieht Feuerwerksraketen in den Himmel steigen, weil sich alle auf den morgigen Nationalfeiertag mit dem langen Wochenende freuen.

Donnerstag, 9.5. 2020

In der Nacht müssen viele gefeiert haben und die Muezzine rufen frühmorgens wie in einem großen Konzert zum Gebet. Das Frühstück ist mäßig und der Kaffee schmeckt scheußlich. Aber der Blick auf die Stadt ist fantastisch:


Auf der Panoramaaufnahme kann man auch den riesigen Friedhof zwischen der Stadtmauer und dem Ölberg erkennen, von dem ich fotografiert habe.

Da es der allergrößte Wunsch vieler Gläubiger aus der ganzen ist, auf diesem Friedhof begraben zu werden, sind die Grabstätten entsprechend teuer. Unter 40 000 Euro ist hier nichts zu machen.
Um 8:00 Uhr fahren wir mit dem Bus bis zum Marokko-Tor, wo wir aussteigen und die Stadtbesichtigung machen wollen. Wir beginnen mit der Al Aqsa Moschee und dem Felsendom, wobei wir wiederum zuerst einmal durch die Kontrolle müssen. Die Moschee ist Teil des Ausgrabungsgeländes und deshalb müssen über über eine Holzbrücke, die den Graben überwindet. Dabei können wir schon einen Blick auf die Klagemauer werfen:

Männer und Frauen müssen getrennt an der Klagemauer beten. Sie sind durch einen Holzzaun von einander getrennt. Auf der linken Seite beten die Männer, auf der rechten die Frauen. Viele Frauen hindert der Sichtschutz aber nicht. Sie steigen auf Stühle und schauen neugierig zu, was die Männer auf der anderen Seite machen.
In die Al Aqsa Moschee dürfen wir nicht hinein, aber das bunte Leben auf dem großen Vorplatz ist auch interessant. Viele Reisegruppen stehen dort.

             Der Tempelvorplatz mit dem Brunnen für die Fußwaschungen im Vordergrund und die Al Aqsa Moschee im Hintergrund


Unser Reiseführer Hussein, erklärt uns, dass morgen sich zum Freitagsgebet mehrere Tausend Moslems auf dem Vorplatz treffen und dass man froh sein kann, dass heute nicht so viel Betrieb ist.

Außerdem erzählt er uns die Geschichte des Tempelbergs, auf dem Salomon den ersten Tempel erbaute, der dann im Laufe der Jahrhunderte durch viele Kriege mehrmals zerstört und wieder aufgebaut wurde. Aus alter Zeit stammt nur noch die westliche Mauer, die heute als Klagemauer dient.
Die Al Aqsa Moschee ließ Kalif Wallid im Jahre 715 erbauen; die Kreuzritter benutzten sie nach der Eroberung als Verwaltungszentrale und Saladin hat sie 1187 wieder in eine Moschee verwandelt. Der Zugang ist Ungläubigen nicht gestattet, sodass wir auch nicht hinein können. Strenggläubige Juden betreten den Tempelberg grundsätzlich nicht, da sie der Ansicht sind, dass früher nur Hohepriester den Zutritt hatten.

Überall stehen schwer bewaffnete Polizisten  und dokumentieren die Sicherheit für die Touristen.
Hinter dem Brunnen für die Fußwaschung steigen wir die Treppen zum Felsendom hinauf. Erstaunlicherweise spricht hier ein Sittenwächter eine Dame aus unserer Gruppe an, die ein Kettchen um den Hals trägt mit einem kleinen Kreuz. Dieses christliche Symbol ist hier nicht erwünscht, sondern sie muss es verstecken.

Der Felsendom ist schon eine imposante Erscheinung als achteckiger Bau aus Marmor mit weißen, blauen und grünen Mosaiken und der großen vergoldeten Kuppel. Er wurde im 7. Jhdt. zur Erinnerung an Mohammeds Himmelfahrt errichtet. Für die Moslems ist es das Zentrum der Welt und nach Mekka und Medina die drittwichtigste heilige Stelle. Es ist schade, dass wir nicht hinein dürfen.
Viele Gläubige aus aller Welt spazieren in fremdartigen Gewändern , Trachten oder Kutten um den achteckigen Kuppelbau mit dem goldglänzenden Dach. Rundherum stehen türkische Säulen.

Von dort ist es nicht weit bis zur Kirche St. Anna, die wir im Anschluss besuchen. Aus der Kirche klingen fromme Gesänge und rhythmische Klänge nach draußen, sodass wir ganz gespannt auf den Besuch sind.


Der Altar in der Krypta mit dem Bild von Maria und ihrer Mutter

Es ist eigentlich eine Klosterkirche, die die Kreuzritter im 12. Jhdt. gebaut haben. An dieser Stelle soll das Haus der Eltern von Maria gestanden haben. Saladin verwandelte die Kirche in eine Moschee und nach dem Krimkrieg schenkten die Türken die Kirche Napoleon. Danach ging sie in den Besitz eines französischen Ordens über, der sie bis heute noch pflegt und verwaltet. Die schlichte Kirche ist nicht nur wegen der Krypta mit dem Bild der Mutter Marias, sondern auch  wegen ihrer besonderen Akustik berühmt.

Während unseres Besuches fangen auch viele Pilgergruppen in der Kirche spontan an zu singen. Das hört sich gut an.

Von der Kirche St. Anna aus führt uns der Weg auf die Via Dolorosa, wo wir die Kreuzwegstationen in den engen Gassen verfolgen.


Manche Schilder sind etwas älter, andere schon modern für die Touristen hergestellt, denn sie sind in mehreren Sprachen ausgedruckt.

Einige Schilder haben sogar einen QR-Code, der zu weiteren Erklärungen führt.
Die Via Dolorosa mit ihren 14 Stationen verbindet das arabische Viertel mit dem christlichen Viertel. Es ist der Weg, den Jesus Ursprünglich war es der Weg, den Jesus von seiner Verurteilung zum Tode bis zur Stelle der Kreuzigung mit dem Kreuz gehen musste. Ursprünglich wanderten die Pilger nur vom Garten Gethsemane zum Kalvarienberg. Erst seit dem 8. Jhdt. gibt es die Haltepunkte rund um die Stadt herum zum Berg Zion und dann am Tempelplateau vorbei zur Grabeskirche.

Die Gassen in der Altstadt sind ziemlich schmal und wahrscheinlich ist der Weg früher ein ganz anderer gewesen.
Die engen Gassen sind überall mit farbigen Leuchten bestückt. Das muss freitags bei der Prozession und am Abend toll aussehen, wenn alle erleuchtet sind.
An dem Haus, wo die Gerichtsverhandlung stattfand, steht die Inschrift:

Auf deutsch würde das heißen: "Pilatus führte ihn hinaus und setzte sich auf den Richterstuhl an dem Ort, der Lithostrotos heißt. -  Dann ergriff Pilatus Jesus und geißelte ihn. - Dort also übergab er ihn ihnen, dass er gekreuzigt würde.
Je weiter wir kommen, desto voller ist der Weg von arabischen Händlern, die profanen und religiösen Kitsch an die Pilger verkaufen.

Hussein schlägt vor, vor der 5. Station erst zur Klagemauer abzubiegen und später die Via Dolorosa weiter zu verfolgen. Wir müssen uns einer neuen Kontrolle unterziehen und eine Kippa oder andere Kopfbedeckung tragen, wenn wir an die Klagemauer herantreten wollen.

Die Klagemauer ist in ihrer ganzen Länge gar nicht sichtbar, sondern liegt größtenteils unter der Erde, weil im Laufe der Jahrhunderte die Eroberer Jerusalems darüber Häuser und Straßen gebaut haben.
Der 57 m lange und 18 m hohe  freiliegende Teil ist die Westmauer der alten zerstörten Tempelanlage. Erst nach dem Sechstagekrieg haben die Israelis systematisch mit den Ausgrabungen in diesem Bereich begonnen. Es hat mehr als 20 Jahre gedauert, bis man Klarheit über das wahre Maß der Mauer und der Tempelanlage erzielt hatte. Die Mauer selbst ist aller Wahrscheinlichkeit 488 m lang und liegt heute mit einer Länge von 431 m unter der Eerde.
Täglich besuchen viele Menschen die Klagemauer.  Viele stecken in die Ritzen und Spalten zwischen den Steinblöcken kleine Zettel mit Wünschen, Gebeten oder Danksagungen. Die Frauen hinter der Trennwand schauen interessiert zu, was sich auf der Seite der Männer abspielt.

Wenn man die Juden dort beten sieht, tun sich viele Fragen auf: Warum wickeln sie einen Riemen um den Arm? Warum legen sie einen Umhang um? Warum bewegen sie den Körper rhythmisch hin und her?
Wir nehmen uns vor, nach unserer Reise einmal alle diese Fragen zu klären.
Jetzt geht es weiter die Via Dolorosa zurück zur 5. Kreuzwegstation. Das ist die Stelle, wo wo Simon von Kyrene gezwungen wurde, das Kreuz von Jesus zu tragen, als der keine Kraft mehr dazu hatte. Viele halten ihre Hand auf die Stelle, wo er sich abgestützt haben soll.

Wieder müssen wir durch mehrere Kontrollen und in den Durchgängen stehen überall Polizisten.
Bis zur 8. Kreuzwegstation gehen wir noch auf der Via Dolorosa, dann biegen wir ab zur Grabesskirche. Da ist unwahrscheinlich viel los vor dieser total verbauten Kirche.
Mehr als 30 Kirchen sind im Laufe der Jahrhunderte auf der Stelle gebaut worden, wo Jesus begraben wurde. Jede der Religionen, Orden und Herrscher, die in Jerusalem irgendwann einmal das Sagen hatten, wollte ein Denkmal möglichst nah an dieser Stelle haben. Heute wird die Kirche von orthodoxen Christen betreut
Wir reihen uns in die lange Warteschlange derer ein, die in die Krypta wollen, wo das Grab von Jesus gewesen sein soll. Es ist aber auch nach einer halben Stunde noch keine Aussicht, in den nächsten zwei Stunden in die Gruft zu schauen, sodass wir uns damit begnügen, die vielen Gläubigen zu betrachten, die die Salbungsplatte mit ihren Tüchern, Souvenirs und Rosenkränzen bestreichen.


Eingang zur Krypta

Manche Pilger sind auch mit einem Kreuz unterwegs, das sie auf die Grabplatte gelegt haben, um es zu segnen. Die Grabeskirche ist eine seltsame Kirche, weil sie aus zwei Stockwerken und 30 Kirchen und Kapellen besteht. Jede Religionsgemeinschaft erhebt hier den Anspruch der besten Lage am Grab. So wechseln sich auch Kopten, Christen, Juden, Orthodoxe und Drusen ab, die die Wache unter sich aufgeteilt haben.
Und mit lautem Klopfen, Stöcken, forschem Schritt und barschen Gesichtern sehen wir sie dann auch auf die Menschenmenge im Hof und auf uns zu marschieren. Rigoros werden wir beiseite gescheucht, damit die Wachmannschaft in den Keller kann.
Von den Besichtigungen sind wir müde und ruhen uns etwas aus unter einem Gemälde in der Kirche. Es ist schön, hier entspannt zu sitzen und zu sehen, wie die Touristen von einem Altar zum nächsten rennen und ihre Smartphones hoch und quer davor halten. Man kann auch sehr gut den Unterschied zwischen Gläubigen, Pilgern und Touristen an ihrem Verhalten erkennen.
Als nächstes wollen wir die Abendmahlskirche besichtigen.
Als wir durch  das Neue Tor kommen, strömt uns mit einem ungeheuren Lärm eine große Masse von jungen Leuten aus Lateinamerika entgegen, die mit lauten Trommelschlägen und und Gesängen auf sich aufmerksam machen.
Als wir sie danach fragen, sagen sie, dass sie Austausch-Studenten sind, die sich für ein halbes Jahr hier in Israel aufhalten, arbeiten oder studieren. Der Staat Israel hat die Kosten übernommen, um zu erreichen, dass möglichst viele von ihnen anschließend in Israel bleiben.
Die letzte Kirche zur Besichtigung ist der Raum des letzten Abendmahls auf dem Zionsberg, hinter dem wir über eine Treppe aufs Dach steigen, wo wir einen schönen Blick auf die Stadt und den riesige Friedhof haben.


Kurz dahinter befindet sich das Grab von König David, wo wir wieder die unsinnige Trennung von Frauen und Männern erleben: Der Raum mit dem Grab ist durch eine Wand in der Mitte getrennt. Die Frauen müssen ein Kopftuch tragen und auf die linke Seite, die Männer müssen eine Kippa tragen und auf die rechte Seite.

Die Menora sehen die Frauen auf der linken Seite.

 Den Sarkophag sehen die Männer auf der rechten Seite.
Den Abschluss unseres Rundgangs bildet ein Besuch der Dormitio-Kirche. Die modern gestaltete Kirche wird von den deutschen Benediktinern verwaltet und gepflegt. Das merkt man auch, wenn man den großen runden Raum betritt. Er strahlt eine wunderbare Ruhe aus.

Die Kirche soll an den Tod der Gottesmutter Maria erinnern.
Die Kirche ist nach dem Vorbild der Pfalzkapelle in Aachen gebaut worden. In den Nischen des Rundbaus befinden sich Darstellungen  der Propheten, an der Decke ist ein großes Mosaik und in der Mitte des Raumes liegt Maria auf einem steinernen Sterbebett.

                                                                     Deckenmosaik in der Abtei-Basilika

Es gibt sogar eine deutsche Cafeteria, in der Kaffee und Kuchen angeboten wird.. Wir verzichten aber darauf und warten, bis Hussein kommt und Bescheid sagt, dass der Bus außerhalb der Mauern an der Straße hält. Dadurch sind wir kurz nach 16:00 Uhr auf dem Ölberg in unserem Hotel. Hier in Jerusalem hat jetzt überall das lange Wochenende mit dem Nationalfeiertag und dem Brückentag am Freitag begonnen.

Freitag, 10.5.2019

Es ist recht kühl geworden heute am frühen Morgen. Wegen des ersten Freitags im Ramadan werden heute in der Al Aqsa Moschee 400 000 Menschen erwartet. Unser Besuch geilt Yad Vashem, wo wir eineinhalb Stunden Zeit für die Besichtigung der weitläufigen Gedenkstätte für den Holocaust haben.

Die Ausstellung mit dem akribisch gesammelten Dokumentationsmaterial der Zeitzeugen ist sehr informativ, allerdings auch sehr bedrückend. Im Gegensatz zu den deutschen Gedenkstätten ist hier mehr er weltumspannende Aspekt des Judentums und deren traurige Geschichte zu sehen.

                                                    Blick aus dem Museum auf die grüne und fruchtbare Landschaft bis hin zu den Mauern von Jerusalem

Für die einzelnen Länder sind besondere Abteilungen gestaltet worden; man geht im Zickzack-Kurs durch den 180 m langen Tunnel mit den Bildern, Videos und erschütternden Dokumenten. Beeindruckend ist die Halle der Erinnerung, in deren Mitte in einem zerbrochenen Bronzekelch die Ewige Flamme brennt. Auf dem Boden sind die Namen der 22 größten Konzentrationslager und Vernichtungsstätten eingraviert.

Wir hätten uns gern noch viel mehr Zeit für die Besichtigung der anderen Hallen und auch für einen Spaziergang durch kunstvoll gestaltete Gartenanlage mit vielen symbolträchtigen Figuren gewünscht, aber wie bei jeder Rundreise ist man an das Programm gebunden. Sehr in Erinnerung geblieben ist mir jedenfalls der Spruch am Ende der Ausstellung:

Die Juden sind befreit worden - aber noch nicht frei!

In unserer Besichtigungstour folgen jetzt zwei Kirchen; zunächst  die Johanneskirche, eine typische Kreuzfahrerkirche. Sie wurde an der Stelle errichtet, an der Johannes geboren worden sein soll.


An den Wänden im Hof sind große Mosaiktafeln angebracht, die die von den einzelnen Ländern gestiftet wurden und Bibelsprüche in verschiedenen Sprachen enthalten. Hier zum Beispiel die Tafeln von Luxemburg und der Ukraine:

Alle Pilgergruppen begeben sich natürlich zu den Tafeln, die sie in ihrer Sprache und Schrift lesen können.
Im Innern der Kirche wollen alle die Grotte besuchen, wo Johannes geboren wurde. Viele Gläubige verfallen in regelrechte Ekstase.
Einige Schritte weiter den Berg hinauf kommen wir zur Besuchskirche, die ebenfalls von deutschen Mönchen  über einer byzantinischen Kirche errichtet wurde. Sie wurde an der Stelle errichtet, an der sich Maria und Elisabeth getroffen hatten, als sie schwanger war.
Auch hier sind wieder viele Mosaiken in verschiedenen Sprachen an der Wand im Vorhof.
In der Kirche ist der Besuch von Maria bei Elisabeth auf dem Deckengemälde dargestellt.
Kurz nach Mittag fahren wir wieder durch das jüdische Viertel, wo jetzt alles nach Hause strömt, weil wegen des Brückentages das lange Wochenende naht.

Wir fahren zur Knesset und Hussein erklärt uns die Zusammensetzung der Parteien, die mit 120 Abgeordneten auskommen müssen. Für 13 Parteien und deren Sympathisanten ist das nicht so einfach, zumal die Sperrklausel bei den Wahlen mit 3,25% viel geringer ist als bei uns in Deutschland. So werden Listenverbindungen hergestellt mit der Folge, dass meist immer mehr als 10 Parteikombinationen im Parlament vertreten sind.

Im Schatten der großen Menora auf der anderen Straßenseite diskutieren wir über den Einfluss der orthodoxen Juden und die Verflechtungen der einzelnen Parteien, die die politischen Entscheidungen so schwierig machen.

Die siebenarmige Menora ist ein richtiges Kunstwerk. Das 5 m hohe Bronzedenkmal zeigt die Geschichte Israels in vielen einzelnen Reliefs und wurde 1956 von den Engländern mit dem ältesten Parlament an Israel mit dem jüngsten Parlament als Geschenk übergeben.
Hussein erklärt uns, dass am schlimmsten die Politiker seien, denn sie würden gar nicht den Willen des Volkes realisieren wollen, sondern nur ihre eigenen parteipolitischen Vorstellungen durchsetzen. Er befürchtet auch eine stärkere Einflussnahme der russischen Juden.

Interessant ist unser Besuch auf dem Mahane Yehuda Market

Der Markt zwischen der Jaffa-Street und der Agrippas-Street ist der größte Markt in Israel und wird täglich von mehr als 200 000 Menschen besucht.
Auch wir quälen uns durch die Massen, die alle einkaufen wollen, weil am Nachmittag schon alle Geschäfte geschlossen sind. Ab 16:00 Uhr beginnt nämlich der Shabbat. An den Geschäften stehen links und rechts viele, die nur einkaufen wollen, während sich durch die Mitte der Straßen und Gassen innerhalb des Marktes  junge  Leute in Gruppen schieben, die nur etwas trinken oder Spaß haben wollen.
Die Bars sind voll  und laute Musik dringt heraus.
Wir durchqueren den Markt und finden gegenüber an der Straßenbahnhaltestelle eine Bar mit einem freien Tisch, der sich prima zum "people watching" eignet. Die Preise sind kräftig: Für 2 Gläser Orangensaft (je 23 NIS), ein kleines Glas Saft (16 NIS) und einen Cappuccino (16 NIS) bezahlen wir 81 Shekel, das sind rund 20 Euro ohne Trinkgeld. Euros werden aber hier nicht akzeptiert.
Um halb drei sollen wir wieder an der Haltestelle stehen, aber es wird später als 15:00 Uhr, bis sich der Bus durch das Verkehrsgewühl gekämpft hat. Da ist es in dem Stadtteil Mea She´arim doch wesentlich ruhiger, als wir am Nachmittag dort vorbeifahren.

Hier wohnen die strenggläubigen orthodoxen Juden, die nicht arbeiten und den Staat Israel ablehnen..Hussein hatte uns gewarnt und nicht empfohlen, dort allein umher zu spazieren, weil photographierende Touristen als aufdringlich empfunden würden und wir mit aggressiven Reaktionen oder sogar mit Steinwürfen zu rechnen hätten. Da  diese Juden am Shabbat kein Auto fahren, sind auch die Straßen an diesem Freitagnachmittag schon ziemlich leer.

Auch ganz verhüllte Frauen sieht man. Wir konnten das erst gar nicht glauben, denn sie sahen aus wie Muslime. Aber Hussein erklärte uns den Unterschied in der Kleidung. Jedenfalls sahen die Straßen hier im orthodoxen Viertel schon anders aus als sonst in der Stadt.
Kurz vor vier sind wir wieder im Hotel und können uns etwas ausruhen.

Samstag, 11.5. 2019

Um 8:00 Uhr starten wir zu unserer Tour nach Süden. Wir haben uns von der Rezeption ein Badetuch mitgeben lassen, denn wir wollen im Toten Meer ein Bad nehmen. Vorher machen wir noch ein paar Fotos von Jerusalem, weil die Altstadt jetzt so friedlich im Morgengrauen vor uns liegt. Wegen des Shabbats sind einige Straßen gesperrt, aber unser Busfahrer kennt sich aus und umgeht geschickt die Sperren. Wir fahren die N1 von Jerusalem bis zur N 90  Kreuzung am Toten Meer. Das merkt man sogar an den Ohren, denn von 700 m Höhe in Jerusalem kommen wir hier an der Kreuzung auf fast 400 m unter dem Meeresspiegel an.


Die Fahrt geht jetzt die ganze Zeit am Toten Meer entlang, allerdings durch Palästinenser Gebiet., was wir an den Grenzkontrollen merken.
Die Gegend ist öde und verlassen; auf der linken Straßenseite ist der Stacheldrahtzaun, der die Grenze zu Jordanien markiert und auf der rechten Seite felsiges Wüstengebiet.

Es gibt allerdings fruchtbare Streifen mit Plantagen aus Dattelpalmen und Gemüse. Israel und Jordanien beuten natürlich die Mineralien des 55 km langen und 17 km breiten Toten Meers schamlos aus, dadurch sinkt der Wasserspiegel fast um einen Meter pro Jahr. An den Rändern setzen sich die Salze ab.

Das führt im Übrigen auch dazu, dass hier nah am Ufer auch manchmal die Straße total einbricht und riesige Löcher entstehen.
Wir besichtigen Masada, die imposante Festung auf dem 440 m hohen Felsplateau, die von der Straße aus kaum zu erkennen ist:

Man kann mit der Seilbahn nach oben fahren oder auch den Schlangenweg benutzen, der sich als schmaler Pfadt nach oben windet.

Es wird zwar angegeben, dass man den Aufstieg in etwa 35 bis 40 Minuten schafft, aber riskieren wollen wir es bei der derzeitigen Temperatur von 30°C nicht.
Oben ist alles hervorragend zu einem Nationalpark ausgebaut worden. Überall stehen Erklärungstafeln, auf denen man sich ein Bild von der riesigen Burganlage  machen kann, die Herodes um das Jahr 40 v. Chr. gebaut hatte.

Später nahmen Zeloten die Festung ein und konnten sich bis zum Jahre 70 n. Chr. hier halten. Dann eroberten allerdings die Römer im Jahre 73 in spektakulärer Weise die Festung wieder, wovon der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet.
Nach einem ausführlichen Rundgang durch die ehemaligen Paläste des Herodes und die Festungsanlage treffen wir uns kurz nach halb zwölf unten am Bus und fahren weiter bis zur Oase Ein Gedi, wo wir eine Wanderung zum Wasserfall machen.

Es gibt viele Pfade zum Wandern, denn zwei Quellen aus verschiedenen Bergabschnitten, die jeweils in kleinen Wasserfällen  ins Tal fließen, sind ein attraktives Wanderziel für die Familien an diesem Wochenende.
Wir müssen zwar viel kraxeln, zum Teil durchs Wasser waten oder durch Felsentunnel kriechen, aber es macht großen Spaß.
Hussein hätte uns besser darauf hinweisen müssen, dass man über glitschige Steine dem Bachverlauf folgen muss. Mit unseren Sandalen ist das nicht gerade ideal und manchmal auch gefährlich.
Um 13:00 Uhr fahren wir weiter ans Tote Meer, wo es ein ein Strandbad mit 2 Pools, Umkleidekabinen und ein Strandcafé geben soll.
Voller Erwartung steigen wir aus dem Bus, wandern über den vollen Parkplatz und sind entsetzt, als wir einen ersten Blick auf das Strandbad werfen:

Es ist eine total primitive Anlage: kein Sandstrand, sondern zementharter Boden, keine Liegemöglichkeiten, kein Schatten; eine abgetrennte Schwimmzone und schmutziges Wasser.
Es gibt für die Frauen und Männer jeweils nur eine große Sammelumkleide und Sammeldusche. Man kann zum Duschen nicht einmal seine Sachen ablegen, sondern muss alles mitnehmen.

Das angekündigte Restaurant ist eine primitive Bar, um die sich die israelischen Familien mit ihren Kindern, Picknickmaterialien und Kühltaschen geschart haben. Auf dem Betonfußboden hat man grüne Matten gelegt. Da hier oben sowieso kein Platz ist, keine Liegen oder freien Stühle vorhanden sind, nehmen wir also unsere Sachen mit  und wandern hinunter an den Strand.

Der sieht nicht gerade einladend aus: Man muss vorsichtig sein, damit man sich an den scharfkantigen Salzgesteinen nicht die Füße verletzt. Die meisten Leute stehen im Wasser, weil der abgezäunte Bereich nicht tief genug zum Schwimmen ist.. Die Dusche am Strand besteht aus einem Galgen aus Regenrohr, aus dem ein Wasserstrahl kommt. Das Wasser ist schlammig-braungrau.

Das kommt daher, dass sich viele Leute mit dem stark mineralhaltigen Schlamm einschmieren und diesen auf der Haut trocknen lassen.

Das soll man mehrmals machen, um sich dann total verjüngt zu fühlen. Außerdem soll der Schlamm heilend für viele Hautkrankheiten sein.
Wir wandern ein Stück zur anderen Seite des Strandes und finden tatsächlich einen verschlammten Stuhl, den wir nach dem Abwaschen als Ablagefläche für unsere Sachen verwenden können. Dann steigen auch wir in die zementfarbene Brühe und müssen vorsichtig sein, denn es sind auch Steine und Löcher in dem Schlamm. So machen wir dann wenigstens unser Souvenirfoto, um  nachzuweisen, dass man im Toten Meer ohne sich zu bewegen an der Wasseroberfläche schwimmt.
Für ein geruhsames und heilsames Bad benötigt man allerdings ein vernünftiges Hotel mit gepflegten Sanitäranlagen und schattigen Liegemöglichkeiten. Auf der anderen Seite in Jordanien gibt es es das jedenfalls. Nur unter solchen Bedingungen würde ich noch einmal hierhin kommen.
Um 16:00 Uhr fahren wir wieder nach Jerusalem zurück und sind um 17:00 Uhr in unserem Hotel. Hier freuen wir uns auf eine ausführliche Dusche. Leider fällt dabei mehrmals der Strom aus und wir stehen im Dunkeln. Aber das ist eben Israel und das Westjordanland. Wir dürfen nämlich nicht vergessen, dass wir ja auf dem Ölberg in einem Palästinenser-Hotel wohnen.
 
Sonntag, 12.5. 2019

Es ist eine kurze Nacht, weil wir schon wieder um 01:30 Uhr geweckt worden sind. Im Restaurant gibt es für uns Abreisende noch einen Kaffee aus der Maschine und ein gefülltes Croissant, bis wir um 02:45 Uhr abfahren. Obwohl unsere Maschine um 07:10 Uhr abfliegen soll, müssen wir mindestens drei Stunden vorher am Flughafen sein. Hussein fährt mit und 35 Minuten später sind wir am Flughafen in Tel Aviv, wo wir in der Abflughalle eine riesige Menschenmenge stehen sehen. Aber wir müssen in die erste Etage in eine getrennten Bereich, wo es etwas besser aussieht. Danach beginnt die Ausreiseprozedur:

  •  Zuerst wird gefragt, wer aus der Gruppe Englisch spricht. Danach müssen zwei aus unserer Gruppe pro toto Auskunft darüber geben, was wir gemacht haben und ob wir getrennt etwas unternommen haben.
  • Anschließend müssen alle Paare vortreten, die in ähnlicher Weise auf Englisch befragt werden:
  • Wo waren Sie?
  • Wie lange waren Sie in Israel?
  • Waren Sie in Jordanien? Haben Sie Bekannte dort?
  • Hat Ihnen jemand etwas geschenkt?
Nachdem wir alle beantwortet haben, bekommen wir Sicherheitsschleifen an unsere Gepäckstücke und dürfen zum Check-In-Schalter gehen. Dort geht eigentlich alles relativ schnell. Allerdings schafft es die Angestellte auch nicht, uns zwei nebeneinander liegende Plätze für den Weiterflug von Istanbul nach Düsseldorf zu reservieren.
Anschließend müssen wir unsere Ausreisekarten am Automaten beantragen. Dazu muss man den Pass auflegen und in die Camera schauen, die ein Foto vom Gesicht macht und dieses mit dem Passfoto vergleicht. Stimmt es, so kommt ein Abschnitt aus dem Automaten. Klappt es nicht, muss man zu einem Schalter mit einem Beamten, der die Prüfung vornimmt.
Bei mir klappt es zum Beispiel nicht und ich werde an einen
solchen Schalter verwiesen. Dort steht eine lange Schlange und wartet auf Abfertigung. Deshalb probiere ich es noch einmal an einem anderen Automaten und siehe da! Ich habe Glück und bekomme mein rosafarbenes Ticket. Das braucht man nämlich, um überhaupt zum Gate zu kommen.
Um 05:30 Uhr sind wir mit der Prozedur fertig, die also eineinhalb Stunden gedauert hat. Um 06:20 Uhr beginnt das Boarding der Turkish Airlines Maschine, deren Airbus A-321-200 auf einer Außenposition des Flughafens wartet.

Die Maschine startet fast pünktlich und unter uns verschwindet die Stadt Tel Aviv im Morgendunst.
Wir sitzen in Reihe 24 und neben uns stehen jetzt einige Juden auf, legen sich einen Umhang um, schnüren ihren Arm mit den Gebetsriemen und fangen an, mit rhythmischen Bewegungen aus ihrem Gebetbuch zu lesen. Dazu stehen sie mitten im Gang, was wir als sehr seltsam empfinden und bisher noch nicht erlebt haben. Ich komme mir vor, wie an der Klagemauer in Jerusalem. Neben mir sitzt auch ein Jude. Als der das beobachtet, geht der zu ihm, lässt sich ein Gebetbuch geben, bekleidet sich ebenfalls mit einem Umhang und zieht die Riemen um seinen Oberarm stramm. Dann beginnt er auch mit seinen Gebeten.
Irgendwie will ich das auch nicht mehr sehen und bin froh, als zwei Stunden später unter mir der Bosporus erscheint und die Brücke von Üsküdar.
Nach dem Zwischenaufenthalt geht es erst verspätet um 13:35 Uhr weiter nach Düsseldorf, wo wir um 16:30 Uhr ankommen. Hier ist es jetzt 15:30 Uhr. Eine Stunde später sind wir zu Hause und damit wiederum  mehr als 15 Stunden auf den Beinen. Das ist wirklich keine gute Flugverbindung.
Das war´s von Israel. Ich hoffe, der Reisebericht hat Ihnen gefallen und es sind ein paar brauchbare Informationen für Sie dabei, wenn Sie vorhaben, Israel zu besuchen.  Vielleicht haben Sie aber auch Interesse an anderen Reiseberichten von mir. Schauen Sie doch mal auf meine Reiseseite!

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