Tortola

Tortola ist die größte von den British Virgin Islands und ziemlich mitgenommen worden durch den Hurrican Irma, der am 6. September 2017 viele Häuser zerstörte und viele Menschen obdachlos gemacht hatte. Hier die Karte von Orangemiles:

Es ist schon einige Jahre her, dass ich in Tortola war. Wir hatten 3 Wochen Ferien im Lambert Beach Resort gebucht, das es heute gar nicht mehr gibt, weil dort inzwischen einzelne Villen errichtet worden sind. Die sollen allerdings 2020 wieder voll für touristische Vermietungen zur Verfügung stehen. Deshalb will ich an dieser Stelle doch meine Erfahrungen aus dem Jahre 2003 schildern.

Wer vom Ridge Highway im Norden der Insel das Lambert Beach Resort tief unten in der Elizabeth Bay erspäht hat, verspürt sofort Lust den engen und steilen Zufahrtsweg hinunterzufahren, denn allzu einladend schimmert die Bucht mit den großzügig eingestreuten Villen und dem dazwischen liegenden großen Pool durch das satte Grün der umliegenden Hügel. Die 9 Bungalows mit ihren 38 Zimmern vermitteln eine familiäre Atmosphäre.
So wurden wir denn auch nicht enttäuscht, als wir nach einem langen Flug von Frankfurt über San Juan abends um 21.30 Uhr in der unscheinbaren und sachlich ausgestatteten Rezeption freundlich empfangen wurden.
Unser Gepäck wurde mit einem Golf-Cart in den Bungalow Nr. 71 gebracht, und für uns gab´s gerade noch ein kaltes Bier, da um diese Zeit die Küche schon geschlossen hatte.
Die Zimmer sind einfach, aber ordentlich – mit einem leise laufenden Deckenventilator und einer guten geräuschlosen Klimaanlage. Die Fliegengitter vor den Fenstern halten die vielen Moskitos fern, die in der Dämmerung aus dem feuchten Flussbett aufsteigen, das nur 20 Meter hinter dem Pool vorbeiführt. So könnte man bei geöffnetem Fenster und guter Querlüftung nachts angenehm schlafen, wären da nicht die Pumpen des Schwimmbades und die Ventilatoren der Küche, die mit kräftigem Lärm die wunderbare Stille der tropischen Nacht zerstören. Für Amerikaner ein alltägliches Geräusch – für uns gestresste Europäer ein unerträgliches Handicap für einen erholsamen Urlaub.
Unsere Beschwerden wurden am nächsten Morgen wohlwollend in der Rezeption aufgenommen und wir bekamen ein neues Zimmer (Bungalow Nr. 83), das auch zu „Gardenview“ gehörte, aber deutlich ruhiger war. Hier fehlte leider wie in vielen anderen Bungalows ein Fenster auf der Rückseite, so dass eine Querlüftung nicht möglich war. Eine unverständliche bauliche Fehlleistung, denn ohne Querlüftung bleibt ein Raum selbst mit Klimaanlage und Deckenventilator in diesem Klima feucht.

Als wir allerdings am nächsten Morgen unsere Mückenstiche zählten, wussten wir, dass wir ohne vorheriges Ausräuchern mit BAYGON nicht mehr schlafen gehen würden. Unser mitgebrachtes PARAL hatte man uns schon am Flughafen in Frankfurt abgenommen, als die Koffer durchleuchtet wurden. Beim anschließenden Frühstück in dem netten offenen Strandrestaurant mussten wir allerdings erkennen, dass die Anwesenheit dort ohne Moskito-Repeller ein gefährliches Unterfangen ist. „Off“ und „Autan“ standen nicht umsonst als kostenloses Angebot an der Bar auf der Theke.
Die war übrigens immer nur wenig umlagert – um 21:00 Uhr abends war praktisch alles leer und der Barkeeper mit seinen internationalen Drinks allein. Die gab es zur Freude aller zu zivilen Preisen, wenn auch die Vorratshaltung zum Nachdenken anregte, da es manchmal kein kaltes „Heineken“ oder „Budweiser“ gab. Das wurde auch besonders beim Frühstück offenbar, bei dem das Ablaufdatum des eisgekühlten Joghurts um mehr als zwei Wochen überschritten war.
Hierbei hätte das Continental Buffet auch etwas reichhaltiger und frischer ausfallen können, zumal nur zweimal in der Woche frischer Obstsalat und Cerialien angeboten wurden. Machbar wäre es gewesen, denn das frische Baguette zu Beginn eines jeden Abendessens bewies eindeutig das Gegenteil.
Das „Turtle-Restaurant“ unter der Regie des jungen italienischen Kochs Andrea aus Mailand zeigte sich im Übrigen von seiner besten italo-amerikanischen Seite: riesige Portionen statt feiner italienischer Küche. So wurde das Rindercarpaccio nicht hauchdünn geschnitten, sondern in Filetscheiben als 8 oz Meat angepriesen. Schade. Damit ist das Restaurant für Leute, die richtig Hunger haben, natürlich ein gefundenes Fressen: Shrimps, Steaks und Beilagen in wahrhaft riesigen Portionen. Außerdem muss man neidlos zugestehen, dass die Shrimps immer Spitze und das Filet Mignon mit grünem Pfeffer immer hervorragend waren.
Als willkommene Abwechslung wird mittwochs ein BBQ und sonntags ein Champagner-Brunch angeboten (20$). Beides ist wirklich sehr ordentlich! Toll fanden wir natürlich auch, dass wir uns als Gäste mit Halbpension (Meal Plan) aus der Speisekarte jeweils eine beliebige Vorspeise, ein Hauptgericht und ein Dessert aussuchen konnten. Leider kennt man nach 14 Tagen die Speisekarte auswendig; da wären kleine Variationen in Gemüse oder Beilagen wünschenswert. Aber wahrscheinlich rechnet hier auch keiner damit, dass Gäste 14 Tage lang hier sind. Die Amerikaner bleiben alle nur 3-4 Tage.
Ein Highlight war Leslie, der Assistent Manager. Im Gegensatz zu Eduardo und Francesca, dem italienischen Managerpaar, war er sehr kommunikativ und hilfsbereit. Er hatte gute Tipps, bot einen Leihwagen auf Kosten des Hauses an und zeigte sich verhandlungsbereit für die Osterveranstaltungen und den Sunday-Brunch.
Makellos aber der schöne Strand direkt vor dem Resort. Goldgelber weicher Sand in der sauberen Bucht, die links und rechts von mächtigen Bollersteinen aus Granit begrenzt wird.
Kein Tang, keine Steine, keine Muscheln – am Strand nur die vertrockneten Blätter und Früchte der Seagrape-Bäume, die neben den Palmen wohltuenden Schatten spenden. Man schaut geradewegs hinüber zur White Bay auf Guano-Island und verfolgt die vorüberziehenden Segeljachten. Ein herrlicher Ausblick.

Für ein kühles Bad lässt man sich in das türkisgrüne Wasser gleiten. Die Wellen sind sanft und erlauben das gefahrlose Hinausschwimmen. Wer es kräftiger wünscht, den erfreut auch die Brandung, die von Zeit zu Zeit auftritt und sogar Body-Surfen oder den Spaß mit Boogie-Boards ermöglicht, die man sich kostenlos ausleihen kann.


Dies gilt übrigens auch für die Kajaks oder den Katamaran, was in den Strandwellen durchaus abenteuerlich sein kann.

Beim Schwimmen spürt man deutlich den kräftigen Unterzug, den die Brecher beim Zurücklaufen vom Strand verursachen. Im Januar und Februar soll das nicht ungefährlich sein.
Der lange Strand ist meist leer; nur wenn ein Kreuzfahrtschiff kommt und die Gäste mit den Minibussen hierhin kommen, liegen einige Leute auf dem Sand.
Für Entdeckungsfreudige finden sich gleich nebenan einsame Sandbuchten, die kleiner, aber ebenso schön sind. Das wissen natürlich auch die vielen Segler und Kajütkreuzer, die an den Wochenenden hier einen attraktiven Ankerplatz suchen.

Gerade gegenüber auf Guano Island, dessen heller Sand von der „White Bay“ herüberleuchtet, ist so ein beliebter Liegeplatz.
Insgesamt ist das Lambert Beach Resort eine gute Adresse. Besser als Long Bay oder die angebotenen Unterkünfte in der Cane Garden Bay. Die Bucht ist nämlich wunderschön geschützt und einsam. Ideal für Menschen, die Ruhe suchen und unbeschwerten Urlaub genießen wollen.

Wir haben natürlich nicht drei Wochen am Lambert Beach gelegen, sondern uns auch die Insel Tortola angeschaut. Auf der folgenden Karte habe ich unsere beiden Touren einmal rot eingezeichnet.



Unterwegs kommen wir am East End Yachthafen vorbei, wo wir ganz neidisch auf die vielen "ärmlichen" Yachten schauen, die dort vor Anker liegen.

Auf Road Town sind wir sehr gespannt, weil wir gehört haben, dass es ein sehr schönes Städtchen mit westindischem Charme sein soll. Bei der Hinfahrt staunen wir zunächst einmal wieder über die tollen Segelschiffe, die im Hafen vor Anker liegen. Das muss schon ein ungeheurer Reichtum sein, der sich hier versammelt hat:

Aber so toll ist das Städtchen auch nicht. Neben der Anlegestelle für die Fähren und die Kreuzfahrtschiffe gibt s nur eine Hauptstraße und eine Durchgangsstraße am Hafen, wo etwas los ist. Ansonsten ist es ein verschlafener Ort, der nur aufwacht, wenn die Kreuzfahrtschiffe ankommen.
Der Strand in der Long Bay ist sehr schön; er ist viel weitläufiger als unsere Bucht in der Lambert Bay und es sind nur wenige Leute hier zu sehen.

Das Hotel in Long Bay hat zwar einen ganz schönen Pool, ist aber von der Lage oberhalb der Straße her nicht mit dem Lambert Beach Resort zu vergleichen. Die Häuschen sind nämlich hier viel zu weit weg vom Strand. Lediglich die Strandbungalows wären etwas für uns, aber sie sind schon etwas älter und zum Restaurant muss man über die Straße.
Noch schöner ist der Strand bei "Smuggler´s Cove" einige hundert Meter weiter. Wir fahren mit dem Jeep über eine rauhe Schotterpiste und finden eine traumhafte Bucht mit kristallklarem, türkisgrünen Wasser - sogar mit Fischen und Korallen.

Am Ostende des Long Bay Resorts genehmigen wir uns einen Drink in dem gut besuchten Garden Restaurant. Leider stehen auch hier die Kreuzfahrer-Sammeltaxis Schlange und machen aus dem schönen PLätzchen einen Touristensammelpunkt.
Anschließend fahren wir über die Küstenstraße zurück. Die folgenden Bucht ist die "Apple Bay" und sieht wie ein Hippie-Landschaft aus. Hinter der Carrot Bay steigt die Straße stark an. Der Weg ist abenteuerlich eng und steil; wir fahren mit 5km/h über die windige Strecke. Inzwischen kommen uns mehr und mehr Kleinbusse mit Kreuzfahrern entgegen.
In der Cane-Garden-Bay liegen viele Segelboote vor Anker, deren Besatzungen alle in der Bucht schwimmen. Restlos voll machen allerdings den Strand die Kreuzfahrer, die mit ihren Ausflugsbussen hier eine Pause einlegen.

Blick auf die Cane Bay von der Ridge Road aus.
Von der Ridge Road, die in der Höhe quer über die Insel führt, kann man übrigens auch gut auf Road Town blicken. Das Kreuzfahrtschiff liegt dort vor Anker und man erkennt, wie klein der Ort ist.

Hinter der nächsten Kurve zwichnet sich die Brewers Bay malerisch ab; als wir hinunter fahren, entpuppt sie sich schließlich als Camper-Bucht mit einem riesigen Campingplatz, der voll mit komfortablen, aber auch primitiven Zelten ist.

Die Rückfahrt über die Ridge Road ist sehr schön. Wir bleiben oft stehen und machen Fotos von dem malerischen Ausblick auf die Küste, die Buchten unter uns und die vorgelagerten Inseln.
 

Ausflug nach Virgin Gorda

Mit der Fähre fahren wir um 10:00 Uhr für 25 Dollar von Road Town zur Insel Virgin Gorda.

Nach einer halben Stunde sind wir drüben und werden mit einem Sammeltaxi nach "The Bath" gebracht. Es ist ein Naturschutzpark und wir wandern durch einen schmalen Fußweg hinunter zum Strand. Als wir dort ankommen, sind wir ein wenig enttäuscht, denn wir hatten Fotos von einem traumhaften Strand mit türkisgrünem Wasser in einem Prospekt gesehen und hatten deshalb hohe Erwartungen. Hier ist das Foto:

Leider macht uns das Wetter nämlich einen Strich durch die Rechnung, denn der Himmel hatte sich inzwischen zugezogen und der Traumstrand sieht jetzt nur noch so aus:

Weiterhin kommt hinzu, dass laufend kleine Boote von dem Kreuzfahrtschiff kommen und Hunderte von Kreuzfahrern am Strand abladen. Bald gibt es keine freie Stelle mehr am Strand . Am frühen Nachmittag verschwinden zwar die Massen, dafür wird das Wetter aber schlechter. Wir machen eine Klettertour durch die Felsen am Strand über den "Devil´sTrail" zu einer wunderschönen Bucht mit kristallklarem Wasser und nur wenigen Besuchern. Dieser Strand entspricht schon eher unseren Vorstellungen. Leider fängt es an zu regnen, sodass die Bucht nur noch halb so schön ist. Jedenfalls reicht es noch für ein erfrischendes Bad.
So müssen wir unseren Besuch auf Virgin Gorda mit dem Bild aus dem Prospekt vom BVI-Tourism Board begnügen, das zeigt, wie der Traumstrand bei schönem Wetter und ohne Touristen aussieht:

Als wir um 16:30 Uhr wieder in Road Town einlaufen, hat gerade ein zweites Kreuzfahrtschiff am Landesteg festgemacht und wir sind froh, als wir um 17:00 Uhr wieder in der Elizabeth Bay in unserem Lambert Beach Resort sind und in Ruhe unsere Happy Hour genießen können. Allerdings müssen wir rund um uns herum auf der Terrasse die Moskitospiralen aufstellen und anzünden.
Das Wetter scheint besser zu werden; es ist aber immer noch bedeckt. Unsere Pool-Handtücher sind klatschnass und rostig, weil wir die Tür damit abdichten mussten. Ärgerlich, dass die Duschen am Abend nicht funktionieren. Um 18:30 Uhr fällt auch der Strom aus und wir müssen uns mit der Taschenlampe unseren Weg zum Restaurant im strömenden Regen ertasten. Hier stehen auch nur Kerzen auf den Tischen und hilflose Kellnerinnen herum, die nicht wissen, ob das überhaupt mit unserer Bestellung klappt, weil ja der Koch in der Küche nichts sehen könne... Einen Salat und ein kühles Bier bekommen wir aber und eine Stunde später auch - als das Licht wieder angeht - unsere bestellte Penne Vegetarian und die Ravioli mit Ziegenkäse.
Mit dem Wetter haben wir allerdings Pech, denn die nächsten Tage regnet es immer wieder stark, sodass wir froh sind, wenn wir trocken zum Frühstück kommen und wieder zurück. Durch den Regen hat die Mückenplage noich zugenommen und ich bin ziemlich zerstochen. Selbst beim Frühstück sprühen sich die Gäste mit "Off" die Beine ein.
Am Ostermontag überfällt ein Schwarm von Kreuzfahrern auch unseren Strand. Wir erkennen sie alle an den gleben Handtüchern und erfahren, dass heute 3 Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Road Town liegen.
Für eine weitere Inseltour leihen wir uns wieder einen Chevrolet Tracker und besuchen zunächst "Josiah´s Bay", das ist die Bucht bei uns um die Ecke.
Diese Bucht könnte sehr schön sein, wenn man etwas daraus machen würde. Immerhin ist der Strand weitgehend von den Blättern beseitigt und jemand putzt in der Manier der British Virgin Islands quälend langsam die Tische der Strandbar mit dem westindischen Flair ab. Es ist natürlich kein einladendes Wetter und fraglich, ob einer der Busse mit den Kreuzfahrern jetzt in diese Bucht kommt.

In der Apple Bay treffen wir auf ein paar unverdrossene Surfer, sonst ist hier im Regen nichts los:


Leider fängt es danach an zu regnen und hört auch nicht auf, als wir bei Skyworld angelangt sind. So ist es auch nichts mit dem tollen 360°-Rundblick über die Insel. Natürlich auch nicht für die vielen Sammeltaxis mit den Kreuzfahrern, denen wir auf dem Ridge Highway begegnen.
Schade, dass das Wetter so schlecht ist: Die schönen Buchten sehen alle ganz grau aus. In Soper´s Hole stapeln sich die Kreuzfahrer - kein Durchkommen durch die wartenden Sammeltaxis! Und alles im strömenden Regen!
Bei schönem Wetter könnte diese Ecke der Insel sehr attraktiv aussehen. Wir fahren ein wenig hin und her und landen schließlich zu einem Drink im "Jolly Roger Inn". Der Regen lässt ein wenig nach und wir stellen uns an der Bar vor, wie schön der Ausblick bei Sonnenschein sein könnte.
Abends klart es ein wenig auf; sogar einen Sonnenuntergang gibt es hinter den Wolken.

Das war´s von Tortola. Wir haben hinterher Puerto Rico noch einen Besuch abgestattet - aber das ist eine andere Geschichte. Wenn Sie mit diesen Bildern einen guten Eindruck von Tortola gewonnen haben, würde mich das sehr freuen, denn meine Erinnerungen daran sind trotz der kleinen Unannehmlichkeiten durchaus positiv.

Informieren Sie sich im Internet, ob sich ab 2020 wieder ein Besuch auf den British Virgin Islands lohnt. Vielleicht haben Sie aber auch Interesse an anderen Reisezielen. Dann schauen Sie sich doch einmal meine Reisetipps oder meine Reiseberichte an!

 Letzte Aktualisierung am 27.04.19

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